Transformation vor der Revolution? | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt
Energieeffizienz im Fokus: das Wohnbauprojekt ERnteLAA der Buwog.

Transformation vor der Revolution?

12.12.2016

Die Pariser Klimaziele betreffen sämtliche Lebensbereiche, auch die Baubranche. Doch wie ­lassen sich Klimapolitik, leistbares Wohnen und energieeffizientes Bauen in Einklang bringen?

Das nächste Standard-Wohnsymposium steht unter dem Motto:

 

Kompetenzen für die Wohnpolitik

Zentral, regional oder kommunal

 

Finanzierung, Regulierung und Raumordnung im Spannungsfeld zwischen Bund, Ländern und Gemeinden

 

Termin: Donnerstag, 23. Februar 2017, 15.00 bis 20.00 Uhr 

Ort: Sky Conference der RZB, Am Stadtpark 9, 1030-Wien

Klimaexperten sind sich einig: Der entscheidende Schritt zur Erreichung der Klimaziele liegt in der Dekarbonisierung, einem ganzheitlichen Ausstieg aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern und im Übergang zu erneuerbaren Energien. Bis spätestens 2050 muss der durchschnittliche Temperaturanstieg zumindest unter zwei Grad Celsius gehalten werden, damit die Auswirkungen des Klimawandels – insbesondere der Anstieg des Wasserspiegels der Weltmeere – abgeschwächt werden können. Um diese ambitionierten Ziele zu realisieren, wurde im Zuge der Pariser Klimakonferenz im Dezember vergangenen Jahres ein internationales Klimaschutzabkommen vereinbart. Zuletzt wurde kritisiert, dass konkrete Maßnahmen fehlen und klare Signale für die Unternehmen gesetzt werden müssen.

Mit gutem Beispiel voran

Wenn es um Lösungen zur Erreichung der Klimaziele geht, die langfristig gesehen funktionieren sollen, scheiden sich die Geister. Eines liegt jedoch auf der Hand: In erster Linie muss der Mensch sein Konsumverhalten maßgeblich ändern. In gleicher Weise wird der Weg zum Zweigradziel auch für den Wohnbau kein einfacher sein - zu dieser Erkenntnis kamen die Teilnehmer und Diskutanten des 56. Standard-Wohnsymposium, welches Ende Oktober unter dem Titel "Wandel oder Revolution" veranstaltet wurde. „Von der Raumordnung bis zum Energiesparen im Einzel­objekt ist noch viel zu tun, um in Österreich die große Revolution oder Transformation herzustellen“, betonte der Präsident des Architekturzentrums Hannes Swoboda. Allein im Gebäudesektor ist das Energieeinsparpotenzial hoch. „Der Gebäudesektor ist für ein Drittel der globalen Treibhausgase verantwortlich beziehungsweise für 40 Prozent des Energieverbrauchs“, erklärte Ingmar Höbarth vom Klima- und Energiefonds. Im Vergleich zu anderen Sektoren wie dem Verkehr sei eine Transformation jedoch einfach durchzuziehen, so Höbarth. Im Bereich des Gebäudesektors und der E-Mobilität setzt der Klima- und Energiefonds auf Modellstrategien. „Es handelt sich um Best-Practice-Modelle die die Energiezukunft abbilden und ganz konkrete Vorbilder darstellen“, erklärte Höbarth. Die Installation von E-Bike-Stationen oder Carsharing-Projekten in Wohnhausanlagen sind zwei konkrete Beispiele. Nebenbei spielt auch die Frage der öffentlichen Infrastruktur eine Rolle: U-Bahn-Anschlüsse sollen nahe beim Wohnort liegen, damit auf das Auto verzichtet werden kann.

Konzepte der E-Mobilität werden auch in aktuellen Projekten der Buwog Group bedacht. „Mit dem Thema Mobilität setzen wir uns breit auseinander und konzentrieren uns nicht nur auf den Bausektor“, berichtete Michael Herbek, Management für Development und Nachhaltigkeit bei der Buwog. Um das Mobilitätsverhalten der Bewohner zukunftsfit zu machen, werden etwa Elektroladestationen in den Objekten zur Verfügung gestellt. Ein in Planung befindliches Wohnbauprojekt greift den Trend vom Urban Farming auf. Die mehrgeschoßige Wohnanlage ERnteLAA soll bis 2017 in Wien-Liesing fertiggestellt werden. Die für den Anbau von Obst und Gemüse vorgesehenen Dachgärten sollen nicht nur die Bewohner versorgen, sondern auch dazu beitragen, den Baukörper abzukühlen und ein verbessertes Mikroklima zu schaffen. Eine kompakte Bauweise der Wohnobjekte stand bei der Konzeption im Vordergrund. Dadurch sollte es möglich werden, mehr Platz für begrünte Freiflächen, Bäume sowie Ruhe- und Spielzonen zu schaffen, mit Rücksicht auf öffentliche Anbindung und Leistbarkeit.

Die Kosten im Visier

Dass energieeffizientes und nachhaltiges Bauen nicht leistbar sei, hält Höbarth für einen Mythos. Für ihn bedeutet energieeffizientes Bauen eben auch zugleich leistbares Wohnen. Im Auftrag der Bundesregierung werden durch den Klimafonds innovative Mustersanierungen oder Modellregionen gefördert, die als Beispiele eines energieeffizienten Wohnbaus zu verstehen sind. „Die Lebenszykluskosten effizienter Gebäude liegen niedriger als jene von Gebäuden mit aktuellen gesetzlichen Mindestanforderungen“, erklärt Höbarth. Die höheren Investitionskosten sollen sich durch die energetischen Einsparungen über die gesamte Dauer amortisieren und zu einer Reduzierung der Betriebskosten führen. Für nur vier bis sechs Prozent Mehrkosten ließen sich bei Heizung und Warmwasser 75 Prozent einsparen, verdeutlichte Höbarth. Medial stehen die hohen Energiestandards nachhaltigen Bauens häufig in der Kritik, ein bedeutsamer Faktor für die Verteuerung des Wohnens zu sein. Kritische Stimmen berufen sich beispielsweise auf den Prebound-Effekt: Aufgrund der schlechten Energieeffizienz von unsanierten Gebäuden wird beim Heizen bewusst gespart und die Wirtschaftlichkeit von energetischen Sanierungen somit infrage gestellt.

Vor allem der soziale Wohnbau muss sich mit dem Faktor Leistbarkeit auseinandersetzen. „Wir befürworten eine energieeffiziente Bauplanung, aber was nützt die energieeffizienteste Wohnung, wenn sie beim Nutzer gar nicht ankommt, weil er sich den Einzug nicht leisten kann?“, fragte ÖSW-Vorstand Michael Pech. Ein „Passivhauszwang“ macht im gemeinnützigen Bereich derzeit einfach keinen Sinn, obwohl Prototypen gemacht werden sollten, so Pech. Letztlich bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis immer noch das entscheidende Argument für die Wohnungswahl. Zudem sei ein Teil der Nutzer für moderne Hightech-Gebäude noch gar nicht bereit, weshalb Lowtech-Gebäude aus seiner Sicht oftmals vorzuziehen sind.

Gesamtheitlich statt sektoral

In Sachen Klimaschutz sieht der Präsident des Architekturzentrums Hannes Swoboda vor allem die Politik und den sozialen Wohnbau am Hebel. „Der Nutzer muss im Wohnungsbereich davon überzeugt sein, dass Energiesparen absolut notwendig ist“, betonte er. „Wenn die Menschen den Eindruck haben, dass ihnen die Klimaziele aufgezwungen werden, insbesondere den sozial Schwächeren, dann wird das nicht gelingen.“ Optimierung sieht Swoboda im Bereich der Raumordnung, die in Österreich nur stiefmütterlich und sektoral behandelt wird. Ein großes Problem bleibt dabei nach seiner Ansicht das der Zersiedelung.

Autor:
Redaktion Bauzeitung
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